Unendliche Dummheit?

Geht Kopieren über Innovieren?

von Ralf Schwartz
20.12.2011 - 10:54 Uhr

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Social Networks

 

Ein Evolutionsbiologe spricht: Haben Kopierer und Kopisten heutzutage mehr Erfolg als Innovatoren? Liegt dies am Internet? Facebook? Ein paar Gedanken dazu.

In 'Edge'*, meiner Lieblings-Publikation, las ich gerade folgendes Zitat. Ich möchte es hier als Gedankenanstoß wiedergeben, als Aufforderung, es kritisch zu hinterfragen, nicht zuletzt weil sich die Reflexionen des The Third Club auch um die Beobachtung immer seltener werdender Innovation drehen:

"A tiny number of ideas can go a long way, as we've seen. And the Internet makes that more and more likely.

What's happening is that we might, in fact, be at a time in our history where we're being domesticated by these great big societal things, such as Facebook and the Internet.

We're being domesticated by them, because fewer and fewer and fewer of us have to be innovators to get by.

And so, in the cold calculus of evolution by natural selection, at no greater time in history than ever before, copiers are probably doing better than innovators. Because innovation is extraordinarily hard.

My worry is that we could be moving in that direction, towards becoming more and more sort of docile copiers." - Mark Pagel, Edge


> Dass Facebook und Google dumm machen sollen, hat man ja schon öfter gehört. Verallgemeinerungen, die einem wenig helfen. Was aber ist mit dem Netz als Ganzem? Erzieht es zur Kopie? Verleitet es zur Kopie? Mich bisher nicht.

> So, wie wir aus Studien wissen, dass das Fernsehen, et al. eher zur Bestätigung und Verfestigung bestehenden Gedankengutes dienen und Bücher und Zeitungen eher zu dessen Infragestellung und Weiterentwicklung, so kann man auch das Netz zu Ersterem oder Letzterem benutzen. Die Wahl wird wohl immer von der eigenen Prädisposition, Erfahrung, Erziehung beeinflußt werden.

Man wird also eher fragen müssen, wie unsere Lehrer, Professoren, Meinungsführer und Medien die Kompetenzen des Netzes sehen (und sehen möchten), um die Richtung und Bedeutung erkennen (und im notwendigen Sinne beeinflussen) zu können, die es in unser aller Bewußtsein nehmen soll/wird: Kopier- oder Innovations-Maschine.

> Ein großartiges Indiz der Richtigkeit von Marks These, dass immer weniger Menschen Innovatoren sein müssen, um erfolgreich zu sein, liegt im Erfolg der Samwer-Brüder. Gleichzeitig zeigt der Weggang des nahezu kompletten dortigen Führungsteams, dass es Wichtigeres zu geben scheint, als ein internationaler Copy-Cat-Konzern zu werden.

> Wohin werden Politik, Medien und Wirtschaft das Netz drängen? Denn schließlich sehen sie es nicht als ihre größte Chance, über sich selbst hinauszuwachsen, sondern als größte Bedrohung ihres durchschnittlichen Status Quo.

> War es nicht schon immer einfacher, die simple Kopie zu fertigen und ein paar Tage früher als das Original auf den Markt zu bringen? Braucht die Wirtschaft in der Breite dazu das Internet? Wohl kaum, wie ein Blick auf jede Supermarkt-Joghurt-Theke zeigt (und Ihr könnt hier gerne beliebig weitere Produkte einsetzen).

> Ist die schnelle Kopie nicht eher Abfallprodukt denn Ziel der Möglichkeiten des Internets? Sind nicht die Googles, Amazons, Facebooks, Twitters, YouTubes, Instagrams, Foursquares, wheelmaps die wahren Gewinner? Und sind dies nicht doch die Innovationen, die das Netz hervorbringen kann?

> Zumindest wissen wir: Ein freies, neutrales Netz wird uns mehr Antworten geben können als ein reglementiertes, kommerzialisiertes, hirn-amputiertes Internet. Lasset uns zumindest danach streben - und dem Netz die Möglichkeit geben, sein Potential als größte Errungenschaft der Menschheit nach Alphabet, Schrift und Buchdruck ausleben zu können ...



* Edge: "To arrive at the edge of the world's knowledge, seek out the most complex and sophisticated minds, put them in a room together, and have them ask each other the questions they are asking themselves." Eigendefinition Edge

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Über Autor und Kolumne

Ralf Schwartz

Ralf Schwartz

Ralf Schwartz ist Leadership Strategist und Co-Initiator von "The Third Club". Zusammen mit Club-Co-Initiator Thomas Koch führt er die Agentur-Beratung Craft&Vision. Diese Kolumne beruht auf dem C&V-Blog.